Ich bin Physiker und Vater einer Tochter im Vorschulalter, zudem schon mehrfach mit Kindern das kleine Einmaleins gepaukt, zudem habe ich natürlich selbst erfogreich die Grundschule durschritten. Für Amazon durfte ich auch schon mehrfach ähnliche Lernbücher, sowie Sachbücher für Kinder testen.
Das vorliegende Lernheft für die Mathematik der Klasse 1 von „Lehrer Schmidt“ bewerte ich als sehr gut. Besonders die ersten 4 Kapitel bauen stark auf einander auf und ergeben für mich ein solides Lernkonzept, welches beinahe von Null beginnt. Besonders begleitend zur ersten Klasse oder zur Nacharbeitung bzw. Nachhilfe (z.B. zum Halbjahr der 1. Klasse) kann ich das Heft sehr empfehlen.
🔸 [Struktur & Aufbau] ✔️
Das Softcover-Lernheft mit Klebebindung ist gegliedert in 7 Kapitel mit jeweils rund 15-30 Seiten. Anschließend folgt noch ein Kapitel A mit den Lösungen für die enthaltenen Aufgaben. Die Kapitel sind weiter unterteilt in Unterkapitel, die im Text jeweils mit großen, deutliche Überschriften getrennt sind. Die Struktur dieser Unterkapitel folgt dem klassischen Schema von Lehrbüchern. Man beginnt mit einem eher kurzen Absatz, der das Thema einleitet und (in Worten) erklärt. Häufig kommen dann auch viele Beispiele und Anregungen, wie man sich den Vorgang alternativ vorstellen kann (z.B. mit Fingern o.ä.). Nach der Erklärung folgen in der Regel mehrere Aufgaben zum Thema mit jeweils ansteigendem Schwierigkeitsgrad. Im Kontrast zum klassischen Aufbau ist die Unterbrechung durch QR-Codes für zusätzliche Erklärvideos (siehe unten für Details), Downloadlinks für Zusatzmaterialien (PDF-Dateien mit zahlreichen weiteren Übungsaufgaben). Außerdem gibt es QR-Codes für interaktive Inhalte, die offenbar in Powerpoint „programmiert“ wurden.
Sehr gut gefällt mir, dass die Erklärungen stets durch horizontale Linien von Aufgaben getrennt werden. Das erlaubt einen sauberen Cut und erleichtert die Arbeit mit dem Heft, da leicht zurückgesprungen werden kann, wenn man eine Erklärung erneut lesen will. Vor den Aufgaben ist zudem ein kleines Heft+Papier-Icon, welches zeigt, dass hier etwas eingetragen werden kann. Wie für ein Übungsheft (in Abgrenzung zu einem Buch) üblich, können die Lösungen direkt ins Heft eingetragen werden, entsprechend ist das Papier auch nicht beschichtet, sodass auch Bleistift und Tinte für Einträge verwendet werden können. Ich empfinde die Struktur als sehr logisch, übersichtlich und praktisch. Hervorragend!
🔸 [Themenwahl] ✔️
Begonnen wird ganz am Anfang mit dem Schreiben von Ziffern, sowie dem Zählen, Erkennen und Bündeln von Objekten, im Kapitel 1 „Mengen- und Zahlenvorstellungen entwickeln“. Es folgt Kapitel 2 „Zahlen bis 10 zerlegen“, wo stark auf das zuvor gelernte Erkennen von Mengen bis 5 zurückgegriffen wird, um sehr schnelle und effektive Lösungsstrategien für die Aufgaben zu präsentieren. Das gleiche Schema setzt sich in Kapitel 3 Orientierung im Zwanzigerraum fort, wo man die Konzepte aus dem Zehnerraum intuitiv bis 20 ergänzt und so weiterhin sehr schnelle Lösungsstrategien aufzeigt, die oftmals ein Abzählen erübrigen und das tatsächliche Rechnen auf ein Minimum reduzieren. Kapitel 4 „Addition und Subtraktion“ könnte man so dann in jedem Schulbuch vorfinden, dennoch sehe ich hier den logischen nächsten Schritt, denn Kapitel 1-3 sollten Kinder bis dahin so gut auf das Rechnen vorbereitet haben, dass Kapitel 4 und damit gewöhnlicher Schulstoff eine geringe Hürde darstellen dürfte. Kapitel 5 „Geometrie“ startet dann eigentlich ein unabhängiges Thema und auch Kapitel 6 „Größen“ sowie Kapitel 7 „Daten und Häufigkeit“ können im Prinzip eigenständig bearbeitet werden. Insgesamt scheint mir die Themenauswahl sehr gelungen und mehr als vollständig, da ich insbesondere bei den hinteren 3 Kapiteln für Erstklässler sehr weitreichende Themen angeschnitten sehe. Besonders Aufgaben bei denen Daten in Tabellen eingetragen und daraus abgelesen werden gefallen mir außerordentlich gut! Gleichzeitig holt man die Kinder so gut ab, dass ich keine Überforderung erwarte, wenn man ausreichend Zeit einräumt.
🔸 [Schwierigkeitsgrad & Didaktik] ✔️
Der Schwierigkeitsgrad in den ersten 4 Kapiteln ist stetig ansteigend und beginnt quasi bei Null und endet bei ausgewachsenen Additionen und Subtraktionen im Zwanzigerbereich. Das Tempo bleibt dabei sehr moderat, insbesondere, wenn man die zahlreichen Übungsaufgaben aus den verlinkten PDFs zusätzlich bearbeiten will. Vielleicht verliert das Werk zu Beginn sogar etwas Zeit im Vergleich zu eher klassischen Unterrichtskonzepten. Dieser Verlust wird mittelfristig aber dadurch kompensiert, dass die gezeigten Lösungsstrategien sehr effektiv sind. Hat das Kind die Konzepte verinnerlicht, wird Kopfrechnen in Zwanzigerbereich quasi ein Kinderspiel. Die hinteren 3 Kapitel setzen natürlich Kenntnisse zum Schreiben von Zahlen sowie Konzepte wie Zählen voraus, dennoch sehe ich hier keine weitere Steigerung des Schwierigkeitsgrad. Vielmehr werden hier weitre Perspektiven für das...